Wirecard: Wer hat Leerverkäufer informiert?

Der Leerverkäufer oder Short Seller setzt auf fallende Kurse einer Aktie. Je mehr Informationen er über die Entwicklung eines Aktienkurses erhält und je „solider“ sie sind, desto besser oder sicherer kann das Geschäft mit Leerverkäufen laufen.
leerverkäufer

Leerverkäufer spekulieren auf fallende Aktienkurse – auch bei Wirecard. Die Fachanwälte der Siegburger Kanzlei GÖDDECKE RECHTSANWÄLTE klären auf. | E-Mail: info@rechtinfo.de - Telefon: 02241 1733 0

Im Zusammenhang mit immer mehr auftauchenden Ungereimtheiten bei Wirecard, geht es auch um sogenannte Leerverkäufe, auch short selling genannt.

Um was geht es konkret?

Augenscheinlich sickerte einige Tage vor dem Wirecard-Absturz in einem Forum durch, dass das Wirtschaftsprüfungsunternehmen Ernst and Young (EY) den Geschäftsbericht für das Jahr 2019 nicht uneingeschränkt testieren wird. Es wird vermutet, dass ein Wirecard-Mitarbeiter diese Information in einem Forum weitergab. Der Eintrag in dem Forum wurde zwischenzeitlich wieder gelöscht.

Eine Woche später gibt Wirecard offiziell bekannt, dass das Unternehmen kein Testat von EY erhält, weil nicht ausreichend Belege für 1,9 Milliarden Euro auf Treuhandkonten vorliegen würden. Wie bekannt ist, konnte der daraufhin einsetzende Kurssturz nicht mehr aufgehalten werden.

Wurden im Vorfeld Leerverkäufer informiert?

Auffällig an dem Forumseintrag ist, wie genau beschrieben wurde, was erst gut eine Woche später offiziell bekannt wird. Interessant ist auch, dass die Information wohl an Leerverkäufer weitergegeben worden sei.

Was sind Leerverkäufer?

Der Leerverkäufer oder Short Seller setzt auf fallende Kurse einer Aktie. Je mehr Informationen er über die Entwicklung eines Aktienkurses erhält und je „solider“ sie sind, desto besser oder sicherer kann das Geschäft mit Leerverkäufen laufen.

Wie das Wort „Leer“ schon andeutet, ist der Leerverkäufer (noch) nicht im Besitz der betreffenden Aktie. Um einen Verkauf zu tätigen (Kurs der Aktie wird z. B. mit 100 Euro angenommen), leiht er sich die Aktien (angenommen 1 000 Stück) und zahlt dafür eine Leihgebühr (angenommen 500 Euro). Für die Rückgabe der Aktien wird ein Termin vereinbart. Durch den anschließenden Verkauf der Aktien zu 100 Euro erhält der Leerverkäufer also 100 000 Euro. Er hat nun bis zum Termin Zeit, die Aktien an der Börse einzukaufen, um diese an den Verleiher der Aktien zurückzugeben.

Je stärker nun der Aktienkurs fällt, desto günstiger kann der Leerverkäufer die Aktien kaufen und desto höher fällt der Gewinn für ihn aus. Für den Leerverkäufer heißt es nun, den richtigen Zeitpunkt für den Aktienkauf zu finden. Nehmen wir an, der Aktienkurs geht von 100 Euro auf 90 Euro zurück und der Leerverkäufer kauft 1 000 Aktien, so zahlt er 90 000 Euro. Er kann somit die Aktien an den Verleiher zurückgeben und hat ergo 9 500 Euro Gewinn gemacht (100 000 Euro minus 90 000 Euro minus 500 Euro).

Zurück zu Wirecard: Ein Absturz des Kurses von Wirecard bei Bekanntwerden dieser Infos war offensichtlich und somit für Leerverkäufer ein nahezu sicheres Geschäft. Die Weitergabe solcher Informationen gehört allerdings zu verbotenen Insidergeschäften und wird mit hohen Strafen geahndet.

Der Forumseintrag und die Konsequenzen

Die Finanzaufsicht Bafin hat die Staatsanwaltschaft München inzwischen über den Insider-Verdacht informiert. Es laufen mittlerweile Ermittlungen wegen Marktmanipulation.

Sofortkontakt zu einem Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht

Beitrag vom 23.07.2020

Diesen Beitrag teilen

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Schlagworte
So bewerten uns unsere Mandanten
Erfahrungen & Bewertungen zu Göddecke Rechtsanwälte
Die Fachanwälte der Kanzlei
GÖDDECKE RECHTSANWÄLTE
Rechtsanwalt Hartmut Göddecke
Rechtsanwalt Hartmut Göddecke
02241 1733 0
info@rechtinfo.de
Marc Gericke Göddecke Rechtsanwälte
Rechtsanwalt Marc Gericke
02241 1733 0
info@rechtinfo.de
Nils Schulz-Hennig
Rechtsanwalt Nils Schulz-Hennig
02241 1733 0
info@rechtinfo.de
Erika Ruhrig
Rechtsanwältin Erika Ruhrig
02241 1733 0
info@rechtinfo.de

 

Kontakt
  • +49 2241 17 33-0
  • +49 2241 17 33-44
  • +49 171 1733077
  • info@rechtinfo.de
  • rechtinfo.de/wirecard
  • Hartmut Göddecke
    Auf dem Seidenberg 5
    53721 Siegburg
  • Mo - Do: 08:00 - 17:00
    Fr: 08:00 - 13:00
Folgen Sie uns
Unsere Bewertungen
Fachanwalt.de
Juraforum.de
Datenschutz
GÖDDECKE RECHTSANWÄLTE, Besitzer: Hartmut Göddecke (Firmensitz: Deutschland), würde gerne mit externen Diensten personenbezogene Daten verarbeiten. Dies ist für die Nutzung der Website nicht notwendig, ermöglicht aber eine noch engere Interaktion mit Ihnen. Falls gewünscht, treffen Sie bitte eine Auswahl:
Datenschutz
GÖDDECKE RECHTSANWÄLTE, Besitzer: Hartmut Göddecke (Firmensitz: Deutschland), würde gerne mit externen Diensten personenbezogene Daten verarbeiten. Dies ist für die Nutzung der Website nicht notwendig, ermöglicht aber eine noch engere Interaktion mit Ihnen. Falls gewünscht, treffen Sie bitte eine Auswahl: