Geld anlegen in Kryptowährungen und Token – Teil 2: Die Kryptowährung(en)

Jeder hat schon mal davon gehört – Kryptowährungen und Token. Wir zeigen in unserer Reihe, was es mit auf der Blockchain basierten Anlagen auf sich hat, welche Chancen Anleger haben und welche Risiken sie eingehen. Teil 2 beschäftigt sich den mit Kryptowährungen selbst.
Kryptowährungen und Token Göddecke Rechtsanwälte Teil 2

Kryptowährungen – was ist das?

Kryptowährungen sind digitale Zahlungsmittel, die auf kryptographischen (verschlüsselnden) Werkzeugen beruhen. Zu diesen kryptographischen Werkzeugen gehört die Blockchain (zur Erläuterung hier klicken) und spezielle digitale Signaturen (Schlüsselpaar). Mittels dieser Mechanismen können diese digitalen Zahlungsmittel teilweise erzeugt und auch übertragen werden.

Die virtuellen Währungseinheiten werden auch Token genannt. Dabei unterscheidet man zwischen Currency Token (Währungs-Token), Utility Token („Nutzungs-Token“) und Security Token („Wertpapier-Token“). Bei ersteren steht der virtuelle Zahlungswert im Vordergrund und die Wertschöpfung erfolgt über die Steigerung des Wertes des Token. Bitcoin ist z.B. ein solches Currency-Token. Bei Utility Tokens erhält der Nutzer über den Token Zugang zu bestimmten Dienstleistungen des Unternehmens und erhofft sich damit einen Mehrwert. Bei Security Token werden grob gesagt finanzielle Beteiligungen am möglichen Erfolg des Unternehmens verkauft, auf den der Anleger dann setzt.

Wie „entstehen“ Kryptowährungen

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, wie Kryptowährungen entstehen. Dazu muss man zunächst wissen, dass Grundlage der Funktionsweise als Zahlungsmittel das Vertrauen auf die Werthaltigkeit der Währungen gegeben sein muss, da die virtuellen Währungen im Gegensatz zu echtem Geld (sog. Fiat-Geld) nicht mit Werten, z.B. Gold, unterlegt sind. Daher sollte jede Krypotwährung nicht unendlich geschaffen werden können (Currency Token)  oder aber mit einer echten Leistung (Utility Token) bzw. einem Unternehmenswert (Security Token) unterlegt sein.

Diese Wertschöpfung kann auf zwei Arten geschehen: Zum einen kann jeder, der sich auf entsprechende Programmiersprachen versteht, seine eigene Kryptowährung selbst erschaffen. Das geschieht in sogenannten Initial Coin Offerings (sog. ICO´s), mit denen wir uns in einem anderen Artikel beschäftigen. Dabei legt der Emittent die Anzahl der Währungseinheiten oder den anderweitigen Gegenwert selbst fest. Die zweite Form der Emission ist das sog. Mining (zu Deutsch: Schürfen) bei bereits bestehenden Kryptowährungen. Hier wird in einem hochkomplexen Rechenvorgang bei Lösung bestimmter Rechenaufgaben quasi als Belohnung eine virtuelle Währungseinheit „verdient“. Bei der Kryptowährung Bitcoin soll z.B. die Anzahl der überhaupt verfügbaren Bitcoins (BTC) auf unter 21 Millionen BTC (genau 20.999.999,9769 BTC) begrenzt sein. Aufgrund des mit zunehmender Anzahl der Bitcoins verbundenen Rechenaufwandes soll der letzte Bitcoin vermutlich um 2130 geschürft werden.

Dieses Vertrauen auf die Werthaltigkeit der virtuellen Währung ist die Grundlage der Funktion einer jeden Kryptowährung als virtuelles Zahlungsmittel und Spekulationsobjekt.

Wie werden Kryptowährungen gehandelt?

Nachdem die virtuelle Währungseinheit (Token) geschaffen wurde und auf der Blockchain im Block hinterlegt wurde, kann dieser von dem, der ihn entweder erschaffen hat oder dem er bei einem ICO zugeteilt wurde, grundsätzlich veräußert werden.

Dabei wird die Zuordnung der Währungseinheit ebenfalls fälschungssicher auf der Blockchain hinterlegt. Hierzu benötigt der Nutzer eine sog. Wallet, eine Art elektronische Geldbörse. Diese Wallet beinhaltet für die konkrete virtuelle Währung ein Schlüsselpaar eines asymmetrischen Kryptosystems. Der eine Teil des Schlüsselpaares ist öffentlich und autorisiert den jeweiligen Nutzer im Netzwerk, auf dem die Blockchain basiert (public key). Der zweite Schlüssel, den nur der Nutzer kennt, autorisiert den einzelnen Übertragungsvorgang als solchen (private key).

Will nun ein Nutzer die virtuelle Währung auf einen anderen übertragen, so stellt er mittels seines public key eine Transaktion in das Netzwerk und signiert diese mit seinem private key. Die Transaktion wird dann an den anderen Nutzer über dessen public key vorgenommen, der diese dann seinerseits mittels private key signieren muss. Wenn dieser Vorgang im Netzwerk vorgenommen wurde und vom Netzwerk als zutreffend anerkannt wurde, wird der Vorgang in den neuen Block der Blockchain geschrieben und ist damit für die Vergangenheit nicht mehr änderbar.

Der Handel über die Wallets der einzelnen Nutzer wird meist über entsprechende Handelsplattformen für Kryptowährungen abgewickelt. Diese unterliegen jedoch keiner staatlichen Kontrolle. Über diese Plattformen können die virtuellen Währungen dann in echtes Geld umgetauscht werden.

Welchen Sinn haben Kryptowährungen (derzeit)?

Kryptowährungen sind (derzeit noch) kein offizielles Zahlungsmittel. Ohne auf bestimmte aufsichtsrechtliche Aspekte einzugehen, ist festzuhalten, dass diese Kryptwährungen (derzeit noch) keiner staatlichen Kontrolle unterliegen. Zum Teil ist genau diese Unabhängigkeit von konventionellen Regularien Teil der „Story“ hinter den virtuellen Währungen.

Daher kann man mit Kryptowährungen grundsätzlich nicht im Laden um die Ecke bezahlen. Es mag Ausnahmen von Geschäften oder Internet-Start-ups geben, die Kryptowährungen akzeptieren, doch das ist (derzeit noch) die absolute Ausnahme.

Im Moment sind Kryptowährungen in erster Linie Spekulationsobjekte bzw. sollen zu Gegenleistungen berechtigen. Nutzer setzen darauf, dass entweder der Wert der Währung steigt oder die Gegenleistung einen Mehrwert hat . Wenn z.B. ein Start-up eine eigene virtuelle Währung im Rahmen eines ICO herausgibt, um sich damit zu finanzieren, dann glauben die Käufer dieser erstmals herausgegebenen Währung, dass sich der Wert des Unternehmens so gut entwickelt, dass sich die virtuelle Währung quasi als Gegenwert zum Unternehmenswert ebenfalls positiv entwickelt, also im Wert steigt. Dieser Wert soll dann bei Verkauf zu einem höheren Kurs realisiert werden.

Bei Utility Token glauben die Inhaber an die Wertsteigerung der speziellen Dienstleistungen als Gegenwert) innerhalb des Netzwerkes (z.B. Rechenleistung von ungenutzten Rechnern des Netzwerkes). Geld lässt sich damit eher nicht verdienen.

Bei Security Token glauben die Nutzer an die damit verbundene unternehmerische Bindung, die sich z.B. in einer Zinszahlung oder einem Anteil am Unternehmenswert ausdrücken kann.

Was sind die Risiken von Kryptowährungen?

Krypotwährungen sind grundsätzlich nicht staatlich reguliert und unterliegen grundsätzlich keiner Aufsicht. Einen Garanten für die Werthaltigkeit der virtuellen Währung – wie z.B. einen Staat – gibt es (derzeit noch) nicht. Sollte z.B. der Emittent insolvent werden oder die virtuelle Währung nicht mehr handelbar sein, ist sie faktisch wertlos.

Des Weiteren sind mit Kryptowährungen natürlich all diejenigen Risiken verbunden, die sich aus der Nutzung des Netzwerkes für die Blockchain und deren Programmierung ergeben. Das reicht von der Gefahr, seinen private key zu verlieren, über die Gefahr, seinen public key durch einen Hackerangriff zu verlieren, bis hin zu Fehlern in der Programmierung der Blockchain, der Manipulation derselben oder der Handelsplattformen ebenfalls durch Hacker. All dies ist schon vorgekommen und stellt damit eine reale Gefahr dar.

Anleger sollten sich also in jedem Falle im Klaren sein, dass es sich um sehr riskante Geschäfte handelt, bei denen vom Kursverlust bis hin zum Totalverlust alles eintreten kann. Kryptowährungen sind keine sichere Geldanlage.

Was kommt als nächstes?

Mit der Geldbeschaffung durch sogenannte Initial Coin Offerings (ICO´s) beschäftigen wir uns im 3. Teil dieser Reihe.

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